Die Niere ist ein zentrales Ausscheidungsorgan. Verschiedenste Faktoren können eine akute oder auch chronische Schädigung hervorrufen, z.B. Infektionen, Durchblutungsstörungen oder Giftstoffe (Toxine). Eine Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Schädigung (Niereninsuffizienz) ist für die weitere Therapie und Prognose sehr wichtig. Während akute Erkrankungen in jeder Altersklasse vorkommen können, sind von chronischer Niereninsuffizienz in der Regel ältere Tiere betroffen. Kennzeichnend ist eine fortschreitende Schädigung des funktionalen Nierengewebes. Diese Schädigung hat zur Folge, dass bestimmte Stoffwechselendprodukte (harnpflichtige Substanzen) nicht mehr richtig ausgeschieden werden können und sich daher im Blut anreichern (Urämie). In erster Linie sind dies Harnstoff und Phosphat, die zusammen mit Kreatinin und SDMA, wichtige Laborwerte darstellen, um das Ausmaß der Nierenschädigung zu beurteilen. Das spezifische Gewicht des Urins gibt Hinweise auf die verbleibende Konzentrationsleistung der Nieren.

Als Folge der eingeschränkten Nierenfunktion treten teilweise vergiftungsähnliche Symptome aus, darunter Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Appetitverlust. Typischerweise trinken betroffene Tiere vermehrt und setzen häufiger Urin ab. Auch Inkontinenz kann vorkommen, wie auch ein schlechter Maul- oder Körpergeruch. Eine medizinische Abklärung beim Tierarzt ist unbedingt erforderlich.

Die Nieren verfügen über eine sehr große Kompensationsfähigkeit, daher treten klinische Erscheinungen in der Regel erst sehr spät auf, nämlich wenn bereits 70% des Gewebes beschädigt sind. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere bei älteren Tieren, können Nierenerkrankungen frühzeitig entdeckt und behandelt werden.

Die Ernährung spielt in der Therapie der Niereninsuffizienz eine entscheidende Rolle. Eine Nierendiät verbessert nicht nur das Allgemeinbefinden des Tieres, sondern verlängert auch nachweislich seine Überlebenszeit (Brown et al. 1991, Elliott et al. 2000, Jacobs et al. 2002) . Die Nierendiät muss lebenslang gefüttert werden, da ein chronisches Nierenleiden immer ein fortschreitender Prozess ist.

Die wichtigsten Merkmale der Nierendiät sind ein reduzierter Phosphor- und Eiweißgehalt, bei hoher Eiweißqualität. Eiweiß wird im Stoffwechsel zu Harnstoff abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Der Grad der Eiweißversorgung richtet sich immer nach dem Schweregrad der Nierenerkrankung. Eine Reduktion der Phosphorversorgung kann maßgeblich eine weitere Schädigung der Nieren durch Kalkablagerungen in den Nierenkörperchen verzögern und ist deshalb ganz besonders wichtig. Reichlich B­Vitamine, genug Eisen und Vitamin D sollten ebenfalls enthalten sein. Eine Aufteilung der täglichen Futtermenge auf 3 Mahlzeiten ist empfehlenswert.