Die Schilddrüse ist die Energiezentrale des Körpers. Sie befindet sich am Halsunterseite rechts und links neben der Luftröhre in der Nähe des Kehlkopfes und produziert die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), welche die Stoffwechselprozesse der meisten Organe beeinflussen. Für die Bereitstellung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sind Jod und Selen als Mikronährstoffe wichtig.

Erkrankungen der Schilddrüse kommen bei Hunden und Katzen häufig vor, wobei sich die Art der Erkrankung unterscheidet. Hunde leiden vor allem an einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und Katzen typischerweise an einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Die Hyperthyreose des Hundes kann durch die Fütterung von Schilddrüsengewebe ausgelöst werden, wenn diese im Futter enthalten sind. Dies kann z.B. bei der Gabe von Schlund, Kopffleisch, Stichfleisch oder Kehlkopf der Fall sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Futtermittel roh oder gekocht gefüttert werden, da durch Erhitzung die Hormone nicht (!) inaktiviert werden. Die so genannte nutritive Hyperthyreose ist reversibel, wenn die Fütterung entsprechend umgestellt wird.

Bei der Hypothyreose des Hundes fehlt es an Schilddrüsenhormone, es kommt zu einer verlangsamten Stoffwechselrate, der Körper arbeitet sozusagen auf Sparflamme. Die häufigsten Ursachen dafür sind die Zerstörung von funktionellem Schilddrüsengewebe durch eine Entzündung oder eine Zurückbildung ohne bekannte Ursache (Atrophie). Auch eine genetische Komponente wird vermutet. So sind Golden Retriever und Dobermänner zum Beispiel häufiger betroffen Rassen. Andere Ursachen können Medikamente oder mangelnde Aufnahme von Jod über die Nahrung sein. Die Symptome einer Hypothyreose sind unterschiedlich. Die häufigsten Symptome sind Gewichtszunahme, Schlappheit/Müdigkeit, schnelleres Frieren sowie Haut- und Fellprobleme.

Die Diagnose lässt sich aus dem Vorbericht, einer allgemeinen klinischen Untersuchung und einem Blutcheck mit besonderem Augenmerk auf die Schilddrüsenhormone stellen. Manchmal erfolgt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung.

Die Behandlung ist mittels synthetischer Hormongaben gut möglich, die hierzu ein- oder zweimal täglich verabreicht werden. Häufig sind kurz nach Behandlungsbeginn bereits die ersten Verbesserungen zu bemerken, es kann jedoch Wochen bis Monate dauern, bis die Symptome vollständig verschwinden. Ein gutes Monitoring ist zu Beginn der Therapie sehr wichtig.

Bezüglich der Fütterung muss bei Hunden mit einer Hypothyreose der niedrigere Energiebedarf beachtet werden, der sich auch häufig unter Tablettengabe nicht normalisiert. Sie sollten somit eher mit einem kalorienreduzierten Futter mit hoher Nährstoffdichte gefüttert werden, und das Gewicht und der Body Condition Score sollten regelmäßig kontrolliert werden. Bei einen niedrigen Futterbedarf ist eine Rationsüberprüfung sinnvoll, um sicher zu stellen, dass sowohl der Eiweiß- als auch der Nährstoffbedarf ausreichend gedeckt ist.

Die Hyperthyreose der Katze wird durch eine übermäßige Produktion und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 ausgelöst. Der Körper arbeitet dadurch schneller als normal. Die Ursachen sind nicht genau bekannt, häufig kommen Vergrößerungen des Drüsengewebes (Hyperplasien), gutartige Tumore (Adenome) und sehr selten auch bösartige Tumore (Karzinome) infrage. Die übermäßige Hormonproduktion führt zu einem gesteigerten Stoffwechsel, das auffälligste Symptom ist daher Gewichtsverlust, sowie des Weiteren gesteigertes Fressverhalten, ungepflegtes Fell/Fellverlust, vermehrtes Trinken und allgemeine Unruhe bzw. Verhaltensänderungen.

Die Diagnose wird auch hierbei über die Anamnese, eine allgemeine Untersuchung und vor allem eine gezielte Blutuntersuchung gestellt. Gerade bei älteren Katzen über 8 Jahre sollte eine routinemäßige Kontrolle der Schilddrüse durchgeführt werden. Wichtig ist auch zu beachten, dass eine Hyperthyreose andere Organkrankheiten maskieren kann, wie zum Beispiel eine Niereninsuffizienz, Herzprobleme oder Bluthochdruck.

Eine Behandlung ist mittels Gabe von Thyreostatika (Medikamente zur Hemmung der Hormonproduktion in der Schilddrüse), chirurgischer Entfernung des betroffenen Gewebes oder eine Radioiodtherapie möglich. Welche Therapie die beste Wahl ist, sollte zusammen mit dem behandelnden Haustierarzt in Abwägung aller Vor- und Nachteile besprochen werden.

Bezüglich der Ernährung ist sicherzustellen, dass Futter mit einer hohen Energiedichte und guter Akzeptanz gefüttert wird. In manchen Fällen kann auch eine spezielle jodarme Fütterung helfen, die Produktion und Ausschüttung der Hormone zu vermindern.